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Werkfotos Woche 1-4

"Wer je einmal im Bardo war, dem riesigen Museum etwas außerhalb von Tunis, wird sie nie wieder vergessen: römische Mosaiken gleich im Dutzend und noch mehr. Steinerne Pracht und Herrlichkeit, Götter und Girlanden, Jagdwild und Medusenköpfe an allen vier, sechs oder acht Ecken erblickt das überwältigte Auge auf den Böden Teppiche aus tausenden glänzenden Steinen über viele Quadratmeter hinweg, entstanden in einer Zeit, in der Nomaden anderorts solche allenfalls zum Schutz und Nutzen aus Schaf- und Ziegenhaar knüpften.

 

Auch heute macht ein Teppich das Leben und Wohnen schöner, ja oft sogar elegant. Man wird gewissermaßen erhoben. Und draußen vor der Tür rollt man einen solchen (in Rot) für hohe Staatsgäste aus, für Filmstars auch, damit sie sich abheben vom gewöhnlichen Volk.

Nun wird im Hamburger Hafen ein „Roter Steinerner Orientteppich“ ausgerollt, eine Erneuerung des ersten. Wie sein Vorgänger aus dem Jahr 2005, der zur dann sehr verspäteten Eröffnung der Elbphilharmonie einladen sollte, hat auch dieser seinen besonderen Grund. Gleichfalls geschaffen von Frank Raendchen, verweist er auf ein anderes Ereignis: die Hamburger Körber-Stiftung wird 60 Jahre jung. Nicht genug: Eine Art Dreiklang ist damit entstanden. Auf dem Weg zur Elbphilharmonie führt dieser Teppich auch zum Sitz dieser bedeutenden Kultureinrichtung und gleichzeitig vorbei an den großen Teppichlagern.

 

Der lange Steinteppich bezieht sich in seiner abstrahierten Motivik auf turkmenische Knüpfarten, die Glück bringen, Unheil abwenden, Wohlstand und Fruchtbarkeit der Herden symbolisieren sollen. Das liegt im tieferen Verständnis ganz nahe bei den Zielen der Körber-Stiftung. Denn was wollen die so vielen unterschiedlichen Aktivitäten der Einrichtung mehr?

Brücken bauen, Hilfen geben, Impulse setzen, Verständnis fördern, national und international.

 

Alle drei Einrichtungen tragen bei zum wirtschaftlichen Erfolg und kulturellen Ansehen der Stadt Hamburg. Eine Besonderheit des Objektes muß noch erwähnt werden: Raendchen ist klassischer Steinbildhauer, er bearbeitet meist sehr festes Gestein, z.B. kristalline Findlinge der Nordischen Vereisungen und Backsteine. So ist es nicht verwunderlich, dass er wieder dieses typische Sujet der Knüpfkunst in Naturstein ausgeführt.

 

Zuletzt: Das Aufbrechen und Öffnen von Steinen, um sie mit Licht zu füllen, hat er nicht vergessen. So ist ihm etwa „der alte Schwede“ – ein Riesenfindling am rechten Elbufer in Hamburg bei Strom-km 627,9 - noch in bester Erinnerung. Das wäre ein weiteres von ihm potentiell zu bearbeitendes Traumprojekt."

 

 

Dr. Herman Römermann, Krefeld 2019

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© Atelier Frank Raendchen